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Urbane Nutztierhaltung – Bio im eigenen Garten

Die sich häufenden Nachrichten über schlechte und nicht artgerechte Tierhaltung und Lebensmittelskandale bewegen viele Menschen mehr Bio-Produkte zu kaufen, oder auch ihre Lebensmittel weitestgehend selbst zu produzieren

Ein Gemüsegarten hinter dem Haus, ein paar Obstbäume, einige gackernde Hühner mittendrin und in der Scheune ein Schwein – so sieht die Vorstellung von Selbstversorgern meist aus. Auf dem Land und in den Dörfern ist dies häufig die Regel, doch gelingt eine Selbstversorgung mit den wichtigsten Lebensmitteln auch in der Stadt?

Welche Möglichkeiten bietet der städtische Raum den urbanen Ökoaffinen, sich selbst als Kleinbauern zu verwirklichen? Was kann, was darf, was bringt wirklich etwas (einem selbst und der Gesellschaft womöglich auch)?

Die Akzeptanz für Nutztierhaltung in städtischen Gebieten ist in den letzten Jahren gestiegen. Die Deutschen gehen mit gutem Beispiel voran - eine Aktion in Leipzig im letzten Jahr sollte z.B. den Menschen zeigen, wie man das Landleben ein Stück in die Stadt holen kann. Hier konnten Familien, denen ein wenig Freifläche zur Verfügung steht, für vier Wochen jeweils vier Hennen ein Zuhause geben. Die Hühnerpatenschaft wurde zum Erfolg. Erstaunlicherweise zeigten sich auch die Nachbarn der Hühnerpaten offen für das Projekt. Entscheidend dazu beigetragen haben die umfänglichen Aufklärungsarbeiten der Leiter des Projektes.

In der Stadt spielt aber gerade der Platz für die Tierhaltung eine "große" Rolle – denn der ist natürlich eher gering, was zukünftige Nutztierhalter und selbstversorgungsaffine Großstädter aber nicht abschrecken sollte.

Voraussetzungen für die Tierhaltung

Um die Nutztiere artgerecht halten zu können ist die Berücksichtigung einiger Grundregeln nötig. Darin liegt aber auch der Vorteil der Selbstversorger gegenüber der Intensiv- oder Massentierhaltung.

In erster Linie muss genug Platz für die Tiere vorhanden sein. Während sich Pachtgärten am Stadtrand und umliegende Häuser mit einem Garten hervorragend für die Haltung von Hühnern und Kaninchen eignen, haben beispielsweise Schweine einen größeren Platzbedarf. Auslauf ist für eine gesunde Entwicklung der Tiere und für die Erzeugung qualitativ hochwertigen Fleisches äußerst wichtig.

Auch die Legebereitschaft von Hennen lässt sich so erhöhen. Darüber hinaus sind der Ausbruch von Krankheiten und der damit verbundene Einsatz von Medikamenten wesentlich geringer, wenn die Tiere ausreichend Freiraum haben. Damit es zu keiner Überproduktion kommt sollte der Bedarf der Selbstversorger mit der Anzahl der Tiere abgestimmt werden. Für die Versorgung muss stets genug Futter, auch Frischfutter in Form von grünem Gras, zur Verfügung stehen.

Die Stadt Wien informiert: Solange Tierschutzgesetz, Tierseuchengesetz und Tierhaltegesetz eingehalten werden dürfen Nutztiere in Wien von jedem und jeder gehalten werden. Genügend Betreuungspersonen müssen ebenso vorhanden sein wie Kenntnisse über die Versorgung der Tiere – eventuell ist hier eine Zusatzausbildung erforderlich.

Die Haltung muss außerdem bei der zuständigen Behörde gemeldet werden – in Wien ist das die MA 60 bei Geflügel- und Kaninchenhaltung, bei Schweine-, Schaf- und Ziegenhaltung das Veterinärinformationssystem der Statistik Austria. Im Fall von Krankheiten bei den Tieren kann so schnell eingegriffen werden – das macht die Haltung der Tiere sicher und effizient.

Einen ausführlichen Infoservice zur Tierhaltung bietet die Wiener Veterinärmedizinische Universität – hier gibt es neben einer Linkliste ausführliche Informationen zur Haltung von Geflügel, Schweinen und Rindern.

Und wohin mit meinem Stall?

Eine Umfrage der Raiffeisen hat gezeigt, dass gerade bei jungen Erwachsenen das Bedürfnis nach eigenem Haus in ländlicher Umgebung bzw. am Stadtrand groß ist. Eine Wohnung mit Garten in der Stadt oder am Stadtrand ist natürlich optimal für den kleinen privaten Bauernhof – beim Standard gibt es z.B. in Wien und Umgebung schon einige Angebote.

Trotzdem gilt es mit Vermieter und Nachbarn abzuklären, ob ein mögliches Gackern am Morgen auch nicht als störend empfunden wird. Skeptische Nachbarn können da vielleicht mit einer wöchentlichen Bio-Ei-Lieferung aus der Eigenproduktion überzeugt werden – so profitiert auch das Miteinander von den privaten Nutztieren.

Tierhaltung bedeutet nicht zuletzt Verantwortung – und wenn dabei eigene, biologisch einwandfreie Produkte gewonnen werden außerdem die Überzeugung, dass man selbst und vor allem die Tiere auch wirklich die Dinge bekommen, die sie zu einem zufriedenen Leben brauchen.